Aus dem Tagebuch einer Perfektionistin |LIFE


Ellenlange To-do Listen, die man unbedingt abarbeiten muss. Immer 100% geben. Alles muss seine Ordnung haben. Kurzum perfektionistisch. Ja, das bin ich. Schon in der Volksschule musste jedes noch so kleine Feld perfekt ausgemalt sein. Und wenn ich schon dabei war, dann drückte ich den Farbstift ganz besonders fest auf das Papier - auch wenn mir danach die Hand schmerzte.

Perfektionisten scheinen alles planen und organisieren zu können. Auch ich. Meist ist es mir meine Art (und Talent) nicht bewusst. Von Freunden, Bekannten oder meiner Familie werde ich jedoch immer wieder darauf angesprochen. Die Fassade ist aber so wie so oft nicht die Wahrheit. Denn diese Lebensart ist hart und es raubt mir leider auch oft Kraft. Ich kann mich dadruch weniger auf schöne und spontane Ereignisse meines Lebnes konzentrieren. Ist es der Perfektionismus dann überhaupt wert? Wie kann ich mir selbst helfen? 

Was ich mir immer öfter in Erinnerung rufe: Ich muss nicht perfekt sein. Ich erledige meine Aufgaben so gut ich kann. So lange ich glücklich dabei bin, was ich mache, ist es okay, wenn es nicht "perfekt" ist. Und ja, genau darum geht es ja schließlich! Nicht wahr? Manchmal erwische ich mich dabei, zu denken, ich könne nur zufrieden sein, wenn ich alle Punkte meiner To- do Liste abhake. Wenn möglich erledige ich dies so rasch wie möglich und noch besser erscheint es mir, wenn ich noch drei, vier zusätzlich Aufgaben erledigen kann. Aber was bringt mir das? Schlussendlich nur Stress und wenig Freude an der Arbeit. Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass meine Liebe zu To-do Listen immer noch groß ist. Wenn die Liebe allerdings kaum glücklich macht und eher Kraft raub, ist es keine gesunde. Daher versuche ich nun umso mehr, nur das auf meine Liste zu schreiben, was auch realistisch (!) an einem Tag erledigt werden kann. 
Neben Kraft und Freude an den schönen Dingen des Lebens raubt mir mein Perfektionismus auch Zeit. Wieso das? Alles immer "perfekt" zu machen, 100 % zu geben und immer die beste Version meiner Selbst zu sein, benötigt mehr Zeit, als man vielleicht denken mag. Oft denke ich, wie viel Zeit ich für Kaffeetrinken mit Freundinnen, Spaziergänge oder ein Vollbad hätte, wenn ich jetzt diese Aufgabe nicht so gut erledigen müsste.

Wie bei den meisten Eigenschaften, hat auch Perfektionismus seine guten und schlechten Seiten. Auf Grund meiner genauen Planungen kann ich mich auf mich verlassen. Ich verpasse keine wichtigen Termine (außer ich mag diese nicht wahrnehmen und "vergesse" sie), erledige meine Aufgaben gewissenhaft und schon in der Schulzeit wusste ich, ich kann bei meinen Lehrerinnen und Lehrern punkten, da ich die Hausübung so mache, wie angegeben, und ich immer meine sieben Sachen mithabe.

Könnte ich übrigens heute meinem 7- jährigen Ich einen kleinen, aber äußerst feinen Ratschlag für das Leben geben, wäre es dieser: "Deine Zeichnung wird auch schön und gut, wenn du nicht jedes Feld exakt ausmalst!" Denn oft geht es im Leben ja einfach darum, sich selbst eine schöne Geschichte zu malen und das Leben zu leben.









Kommentare:

  1. Was für ein toller Post! Ich bin glaube ich nicht eine klassische Perfektionisten, also auf jeden Fall nicht wie du es mit dem Ausmalen beschreibst - was ich einen super Vergleich finde! :) Aber doch oft genug kommt das "Ich will perfekt sein" raus, aber das ist es dann meist nicht...was mich rasend machen kann! Hehe...
    Ich habe mich entschlossen perfekt aus meinem Leben zu streichen. Ich bin es nicht, wir alles sind es nicht. Wir werden nie allen gegenüber perfekt sein...irgendjemand findet immer was zu kritisieren. Aber das ist mir egal. Perfekt = unperfekt. Mein neues Motto :)
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    xx Ronja
    www.sothisiswhat.com
    { CREATE THE LIFE YOU LOVE }

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    1. Danke für deine schönen Worte, Ronja :)
      Ich finde es einen tolle Idee, das Wort "perfekt" einfach zu streichen. Genau das werde ich probieren!
      Alles Gute und Liebe,
      Mimi

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